Featured Image von Ruana zum Thema Therapiedokumentation für Heilpraktiker mit Laptop, digitaler Verlaufsnotiz, Praxisumgebung und Symbolen für weniger Aufwand, strukturierte Notizen und rechtssichere Dokumentation
Erfolg für Heilpraktiker

Therapiedokumentation für Heilpraktiker: So führen Sie Verlaufsnotizen, die wirklich nützen

24.07.26

Verlaufsnotizen schreiben kostet täglich Zeit, die viele Heilpraktiker nicht haben. Dieser Leitfaden zeigt, was gesetzlich Pflicht ist, welche Struktur wirklich funktioniert und wie Sie Therapiedokumentation in den Praxisalltag integrieren, ohne jeden Abend zu überziehen.

Sie haben den letzten Patienten des Tages verabschiedet. Jetzt wären Sie gerne fertig. Aber da sind noch die Verlaufsnotizen von heute. Vier Behandlungen. Alle undokumentiert.

Das ist kein Versagen. Das ist der Alltag vieler Heilpraktiker in Deutschland. Die Therapiedokumentation läuft der Behandlung hinterher, weil sie im Stress des Praxisalltags immer wie das gilt, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint: Papierkram.

Dabei ist eine gute Therapiedokumentation für Heilpraktiker weit mehr als das. Sie ist Ihr Gedächtnis über Wochen und Behandlungsverläufe. Sie ist Ihre rechtliche Absicherung, wenn jemals jemand fragt, was Sie wann und warum getan haben. Und sie ist die Grundlage für eine wirklich kontinuierliche Behandlung, bei der Sie beim nächsten Termin nicht von vorne anfangen müssen.

Dieser Artikel zeigt, was in Verlaufsnotizen stehen muss, welche Strukturen in Deutschland gebräuchlich sind, und wie Sie die Dokumentation so einrichten, dass sie nicht jeden Abend zur Last wird.


Auf einen Blick

  • Therapiedokumentation ist für Heilpraktiker gesetzlich Pflicht, auch wenn kein exakter Umfang vorgeschrieben ist.
  • Der Maßstab: Ein fachkundiger Kollege muss nachvollziehen können, was wann wie behandelt wurde und wie der Patient reagiert hat.
  • In Deutschland ist das Verlaufsprotokoll mit Anamnese, Befund, Therapie und Verlauf die gängige Struktur, nicht das angloamerikanische SOAP-Schema.
  • Gute Dokumentation kostet weniger Zeit als schlechte: Vorlagen und direkte Eingabe nach der Sitzung sind die wichtigsten Hebel.
  • Aufbewahrungspflicht: mindestens 10 Jahre.

Inhalt

  1. Warum Therapiedokumentation Pflicht ist
  2. Was Verlaufsnotizen enthalten müssen
  3. Welche Dokumentationsstrukturen es gibt und was in Deutschland üblich ist
  4. Besonderheiten nach Fachrichtung
  5. Therapiedokumentation im Praxisalltag: So geht es schneller
  6. Digital oder Papier: Was ist sinnvoller?
  7. 3 Fehler, die Heilpraktiker bei der Dokumentation machen
  8. Häufige Fragen

Warum Therapiedokumentation Pflicht ist

Als Heilpraktiker sind Sie zur Dokumentation verpflichtet. Das ergibt sich aus dem Heilpraktikergesetz sowie aus allgemeinen berufsrechtlichen Grundsätzen. Ein exakter gesetzlicher Umfang ist nicht vorgeschrieben, aber der Grundsatz ist klar: Sie müssen nachvollziehbar festhalten, was Sie wann und warum getan haben.

Konkret bedeutet das zweierlei.

Erstens: Haftungsschutz. Falls ein Patient jemals behauptet, Sie hätten ihn falsch oder unzureichend behandelt, ist Ihre Dokumentation das einzige, was Sie schützt. Wer nicht dokumentiert hat, hat im Zweifel keine Möglichkeit, das Gegenteil zu beweisen. In der Praxis gilt: Was nicht in der Akte steht, hat nicht stattgefunden.

Zweitens: Behandlungskontinuität. Ihre Verlaufsnotizen sind Ihr Gedächtnis. Wer einen Patienten alle drei Wochen sieht, vergisst zwischen den Terminen Details. Wer gut dokumentiert, geht in jede Folgebehandlung vorbereitet. Das ist auch im Sinne der Patienten.

Hinzu kommt ein dritter Punkt, der oft vergessen wird: Patienten mit privater Krankenversicherung oder Beihilfe reichen Ihre Rechnung bei ihrer Versicherung ein. Manche PKV fordert bei größeren Behandlungskosten einen Befundbericht an. Wer sauber dokumentiert, kann diesen in Minuten erstellen. Wer es nicht tut, sitzt stundenlang vor einer leeren Seite.

Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine Rechtsberatung. Für konkrete Fragen zu Dokumentationspflichten empfehlen wir, einen Fachanwalt oder Ihren Berufsverband zu konsultieren.


Was Verlaufsnotizen enthalten müssen

Es gibt kein gesetzlich vorgeschriebenes Formular für Heilpraktiker-Dokumentation. Was es gibt, ist ein fachlicher Mindeststandard, den Berufsverbände und Gerichte als ausreichend betrachten.

Infografik von Ruana mit den wichtigsten Punkten für eine vollständige Verlaufsnotiz: Datum und Uhrzeit, aktueller Befund, durchgeführte Behandlung, Reaktion des Patienten und nächste Schritte.

Eine vollständige Verlaufsnotiz enthält:

  • Datum und Uhrzeit der Behandlung
  • Aktueller Befund: Was berichtet der Patient heute? Was hat sich seit dem letzten Termin verändert?
  • Diagnostische Einschätzung: Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand?
  • Durchgeführte Behandlung: Was haben Sie konkret gemacht? Welche Methoden, welche Körperstellen, welche Mittel, welche Dosierung?
  • Reaktion des Patienten: Wie hat der Patient während und unmittelbar nach der Behandlung reagiert?
  • Weiteres Vorgehen: Nächster Termin, Empfehlungen, Hinweise für den Patienten

Das ist das Minimum. Mehr ist in den meisten Fällen nicht nötig.

Der Maßstab ist praktisch: Ein fachkundiger Kollege, der Ihre Notiz liest, muss verstehen können, warum Sie was getan haben und wie der Patient reagiert hat. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn das gegeben ist, ist Ihre Dokumentation gut.

Was viele Heilpraktiker falsch machen: Sie dokumentieren entweder zu wenig (“Akupunktur, gut vertragen”) oder so viel, dass jede Notiz zum Aufsatz wird. Beides ist problematisch. Zu wenige Details schützen Sie rechtlich nicht. Zu viele Details kosten Zeit und werden auf Dauer nicht durchgehalten.

Kritische Punkte, die immer schriftlich festgehalten werden müssen:

  • Einverständniserklärung zu Therapieverfahren, besonders bei invasiven Methoden
  • Aufklärung über Grenzen der Heilkunde
  • Verweis an einen Arzt, wenn ein Verdacht auf eine schwere Erkrankung vorliegt

Diese Einträge sind im Streitfall besonders wichtig. Sie zeigen, dass Sie sorgfältig und verantwortungsbewusst gehandelt haben.


Welche Dokumentationsstrukturen es gibt und was in Deutschland üblich ist

In der deutschen Heilpraktikerpraxis gibt es kein verbindlich vorgeschriebenes Dokumentationsformat. In der Praxis haben sich aber bestimmte Strukturen etabliert, die sich je nach Ausbildungshintergrund und Fachrichtung unterscheiden.

Infografik von Ruana über Dokumentationsstrukturen für Heilpraktiker mit Vergleich von Verlaufsprotokoll, SOAP, Sitzungsprotokoll und Freitext.

Das Verlaufsprotokoll: der deutsche Standard

Die in Deutschland am weitesten verbreitete Struktur ist das klassische Verlaufsprotokoll. Es gliedert sich typischerweise in vier Teile:

Anamnese / Aktueller Befund Was berichtet der Patient? Welche Beschwerden stehen heute im Vordergrund? Was hat sich seit dem letzten Termin verändert? Das ist der Ausgangspunkt jeder Sitzung und sollte in den Worten des Patienten festgehalten werden.

Befund Was stellen Sie als Heilpraktiker fest? Das kann ein Tastbefund, ein Bewegungsbefund, eine Zungendiagnose (bei TCM), ein Pulsdiagnose-Ergebnis, ein Hautbefund oder was auch immer für Ihre Methode relevant ist. Objektiv, soweit möglich.

Therapie / Durchgeführte Maßnahmen Was haben Sie konkret gemacht? Bei Akupunktur: welche Punkte, welche Nadeln, wie lange. Bei Homöopathie: welches Mittel, welche Potenz, welche Einnahmeempfehlung. Bei manuellen Therapien: welche Techniken, welche Körperregionen. Je konkreter, desto besser.

Verlauf / Reaktion und Plan Wie hat der Patient während und nach der Behandlung reagiert? Gibt es Auffälligkeiten? Was ist für den nächsten Termin geplant? Welche Empfehlungen hat der Patient mitbekommen?

Diese Struktur wird von den meisten deutschen Heilpraktikerverbänden empfohlen und ist in der Praxis gut handhabbar. Sie lässt sich auf alle Fachrichtungen anpassen.

Das SOAP-Schema: bekannt, aber nicht die deutsche Norm

Das SOAP-Schema (Subjektiv, Objektiv, Assessment, Plan) stammt aus dem angloamerikanischen Raum und ist dort der Standard in vielen Gesundheitsberufen. In Deutschland wird es vor allem von Chiropraktikern und einigen international ausgebildeten Heilpraktikern verwendet.

SOAP und das deutsche Verlaufsprotokoll unterscheiden sich inhaltlich kaum. Die vier Abschnitte decken dieselben Informationen ab. Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Terminologie und im Ursprung der Ausbildung.

Als Heilpraktiker in Deutschland können Sie SOAP verwenden, wenn Sie damit vertraut sind. Es ist rechtlich gleichwertig. Wenn Sie jedoch gerade erst ein System aufbauen und keine spezielle Ausbildung in SOAP haben, ist das klassische Verlaufsprotokoll der natürlichere Ausgangspunkt.

Sitzungsprotokoll bei psychotherapeutischer Arbeit

Heilpraktiker für Psychotherapie verwenden in der Regel das Sitzungsprotokoll. Das unterscheidet sich vom körpertherapeutischen Verlaufsprotokoll: Es enthält keine körperlichen Befunde, dafür mehr Raum für Gesprächsinhalte, therapeutische Interventionen und emotionale Reaktionen des Patienten. Es ist freier strukturiert und oft deutlich ausführlicher.

Freier Verlaufstext

Viele erfahrene Heilpraktiker dokumentieren im Freitext, ohne festes Schema. Das ist erlaubt, solange alle wesentlichen Inhalte enthalten sind. Der Nachteil: Freitext ist schwieriger durchsuchbar, anfälliger für Lücken und schwerer an Mitarbeiter oder Vertretungen weiterzugeben.

StrukturGängig beiVorteilEinschränkung
Verlaufsprotokoll (A-B-T-V)Allgemeine Heilpraktiker, NaturheilkundeVerbreitet in Deutschland, einfach zu erlernenKeine internationale Norm
SOAPChiropraktiker, international ausgebildete HPKlare Struktur, weit verbreitetWeniger in Deutschland verankert
SitzungsprotokollHP PsychotherapiePassend für GesprächstherapieNicht für körperliche Behandlungen geeignet
FreitextErfahrene EinzelpraktikerMaximale FlexibilitätFehleranfällig, schwer suchbar


Besonderheiten nach Fachrichtung

Die Anforderungen an die Therapiedokumentation sind nicht für alle Heilpraktiker gleich. Je nach Fachrichtung gibt es spezifische Besonderheiten.

Naturheilkunde und Akupunktur

Hier steht der Behandlungsverlauf über eine Serie im Vordergrund. Wie reagiert der Körper auf die Behandlung? Verändert sich das Beschwerdebild? Die Verlaufsnotiz sollte Veränderungen gegenüber dem Vorbefund klar kennzeichnen. Bei Akupunktur: Punkte und Reaktionen festhalten, nicht nur “Akupunktur durchgeführt.”

Homöopathie

Die Erstanamnese bei Homöopathen ist oft sehr ausführlich und kann Stunden dauern. Hier ist die Dokumentation des Gesamtbildes (Modalitäten, Gemüt, Allgemeinzeichen) besonders wichtig. Die Verlaufsnotiz fokussiert sich auf Veränderungen im Gesamtbild und die Entscheidung zur Mittelwahl oder Potenzänderung.

TCM

Bei der Traditionellen Chinesischen Medizin gehören Zungen- und Pulsdiagnose in jede Verlaufsnotiz. Das sind objektive Befunde, die den Verlauf des Energiemusters dokumentieren. Ohne diese Einträge ist eine TCM-Akte für keinen Kollegen nachvollziehbar.

Manuelle Therapien

Bei manuellen Techniken (Osteopathie, Chiropraktik, Manuelle Therapie nach Heilpraktikergesetz) ist die genaue Beschreibung der Befunderhebung und der angewandten Techniken besonders wichtig. “Manuelle Behandlung LWS” reicht nicht. Welche Segmente, welche Techniken, welcher Widerstand, welche Reaktion?

Heilpraktiker für Psychotherapie

Das Sitzungsprotokoll hier ist in der Regel ausführlicher als bei körperlichen Behandlungen. Gesprächsthemen, therapeutische Interventionen, Reaktionen des Patienten, Hausaufgaben oder Übungen für die Zeit zwischen den Sitzungen. Patienten haben nach der DSGVO Einsichtsrecht. Was rein subjektive therapeutische Einschätzungen angeht, kann eine separate, nicht einsehbare Notiz sinnvoll sein. Das sollte rechtlich abgeklärt werden.


Therapiedokumentation im Praxisalltag: So geht es schneller

Die meisten Zeitprobleme bei der Therapiedokumentation entstehen nicht, weil die Anforderungen so hoch sind, sondern weil die Notizen zu lange aufgeschoben werden. Je mehr Zeit zwischen Behandlung und Dokumentation vergeht, desto länger dauert die Notiz.

Infografik von Ruana zur schnelleren Therapiedokumentation im Praxisalltag mit fünf Tipps: direkt nach der Sitzung dokumentieren, Vorlagen nutzen, Textkürzel verwenden, die letzte Notiz als Basis nehmen und Kurznotizen zwischen Terminen festhalten.

Direkt nach der Sitzung, nicht am Abend

Die beste Zeit für eine Verlaufsnotiz sind die zwei Minuten unmittelbar nach der Behandlung. Die Eindrücke sind frisch. Sie brauchen keine Rekonstruktion. Ein kurzes Stichwort während der Patient sich anzieht reicht als Einstieg. Am Abend müssen Sie dann nur noch ausformulieren oder bestätigen, anstatt alles zu rekonstruieren.

Vorlagen für häufige Behandlungsszenarien

Wenn Sie Akupunktur, Homöopathie oder eine andere Methode regelmäßig in ähnlicher Form anwenden, lohnt sich eine Vorlage. Die Felder bleiben immer gleich. Sie passen nur die spezifischen Details an. Was einmal gut strukturiert ist, muss nicht jedes Mal neu aufgebaut werden. Für viele Heilpraktiker spart das täglich 10 bis 15 Minuten.

Textkürzel und Textbausteine

Häufig wiederkehrende Formulierungen lassen sich als Kürzel hinterlegen. “Zustand stabil, Patient berichtet Verbesserung” wird zu einem Kürzel, das Sie in zwei Zeichen einfügen. Moderne Praxissoftware unterstützt das nativ. Auch bei handschriftlicher Dokumentation helfen standardisierte Abkürzungen, die in der Akte einmalig erklärt werden.

Folgesitzungen auf Basis der letzten Notiz

Bei Patienten, die über mehrere Wochen in Behandlung sind, ändert sich die Grundstruktur der Notiz kaum. Was sich ändert, sind Befund und Reaktion. Ein System, das die letzte Notiz als Ausgangspunkt für die neue Sitzung übernimmt, spart erheblich Zeit. Sie aktualisieren, was sich verändert hat, statt alles neu einzugeben.

Tipp: Legen Sie für jede Ihrer Hauptbehandlungsarten eine eigene Vorlage an. Nicht als Kunstwerk, sondern als knappe Schablone mit den Pflichtfeldern, die Sie in zwei bis drei Minuten ausfüllen können.

Kurznotizen zwischen Terminen

Falls ein Patient zwischendurch anruft oder Sie selbst etwas bemerken, gehört das in die Akte. “Anruf 14.07. Patient berichtet Müdigkeit nach letzter Sitzung, kein Handlungsbedarf.” Das braucht 30 Sekunden und kann später wichtig sein. Dasselbe gilt für Empfehlungen, die Sie zwischen Terminen telefonisch oder per E-Mail weitergeben.


Digital oder Papier: Was ist sinnvoller?

Viele Heilpraktiker führen ihre Verlaufsnotizen noch in handschriftlichen Karteikarten oder Word-Dateien. Beides hat seinen Reiz. Karteikarten sind schnell ausgefüllt, wenn man es gewohnt ist. Word-Dateien sind flexibel. Aber beide haben klare Grenzen: Bei 200 Patienten ist die Suche mühsam, Backups passieren nicht automatisch, und DSGVO-konformes Verwalten von Zugriffsrechten ist kaum möglich.

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Die Entscheidung für digitale Dokumentation ist für die meisten Praxen die praktischere Wahl. Nicht weil Papier falsch ist, sondern weil Suche, Sicherung und datenschutzkonforme Verwaltung mit Software deutlich einfacher sind.

Was Sie bei der Wahl einer digitalen Lösung prüfen sollten: Gibt es anpassbare Vorlagen für Ihre Fachrichtung? Lässt sich eine Notiz als Ausgangspunkt für die nächste Sitzung übernehmen? Sind Zugriffsrechte klar geregelt? Bietet der Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)?

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Wer den Wechsel zur digitalen Praxis grundsätzlich plant: Papierlose Praxis: So gelingt die Umstellung


3 Fehler, die Heilpraktiker bei der Dokumentation machen

1. Zu spät dokumentieren

Je länger Sie warten, desto ungenauer wird die Notiz. Details verschwimmen. Reaktionen des Patienten werden zu allgemeinen Eindrücken. Was bei einer Akupunkturbehandlung gestochen wurde, lässt sich nach zwei Tagen kaum noch rekonstruieren. Dokumentieren Sie so nah am Behandlungszeitpunkt wie möglich, auch wenn es nur Stichworte sind, die Sie später ausformulieren.

2. Zu allgemein formulieren

“Behandlung gut verlaufen” schützt Sie nicht. Weder rechtlich noch für die eigene Kontinuität. Ein Gutachter liest nicht hinein, was Sie gemeint haben. Schreiben Sie konkret: Was haben Sie gemacht, an welcher Stelle, mit welchem Ergebnis. Das braucht nicht länger als drei bis vier Sätze pro Behandlung.

3. Dokumentation und Patientenakte getrennt führen

Viele Heilpraktiker führen Verlaufsnotizen an einem Ort und Stammdaten an einem anderen. Die Folge: Doppelarbeit, fehlende Übersicht, im schlechtesten Fall Widersprüche zwischen verschiedenen Unterlagen. Wer beides in einem System führt, hat bei jedem Termin sofort das vollständige Bild des Patienten vor sich. Das spart Zeit und verhindert, dass wichtige Informationen in verschiedenen Dateien verschwinden.


Häufige Fragen

Wie lange muss ich Verlaufsnotizen aufbewahren?

Die Aufbewahrungspflicht für Patientenunterlagen beträgt in der Regel mindestens 10 Jahre nach Abschluss der Behandlung. Für Minderjährige beginnt die Frist erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres. Stellen Sie sicher, dass Ihr System keine automatischen Löschungen vor Ablauf dieser Fristen vornimmt.

Muss ich ein bestimmtes Dokumentationsformat verwenden?

Nein. Es gibt keine gesetzliche Vorschrift für ein bestimmtes Format. Das klassische deutsche Verlaufsprotokoll mit Anamnese, Befund, Therapie und Verlauf ist weit verbreitet und deckt alle rechtlichen Anforderungen ab. SOAP ist eine Alternative, besonders wenn Sie damit aus Ihrer Ausbildung vertraut sind. Wichtig ist die Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit, nicht das Format.

Was passiert, wenn meine Dokumentation unvollständig ist?

Im Streitfall kann lückenhafte Dokumentation zu Ihren Lasten ausgelegt werden. Ein Gericht oder Gutachter geht dann davon aus, dass nicht dokumentierte Maßnahmen nicht stattgefunden haben. Das ist das praktische Risiko.

Darf ich Verlaufsnotizen nachträglich korrigieren?

Ja, aber korrekt. Streichungen müssen so erfolgen, dass der ursprüngliche Text noch lesbar ist. Bei digitalen Systemen sollten Änderungen mit Datum und Benutzer protokolliert werden. Rückwirkend schreiben oder Inhalte unkenntlich machen ist nicht erlaubt. Im Zweifel gilt: Ergänzung mit Datum ist immer besser als nachträgliche Korrektur ohne Nachvollziehbarkeit.

Müssen Patienten Einsicht in ihre Verlaufsnotizen bekommen?

Ja. Patienten haben nach der DSGVO (Art. 15) ein Recht auf Auskunft über ihre gespeicherten Daten. Das umfasst auch Ihre Verlaufsnotizen. Rein persönliche therapeutische Einschätzungen können in einem separaten, nicht einsehbaren Bereich geführt werden, das muss aber technisch und organisatorisch sauber getrennt sein. Lassen Sie sich hierzu im Zweifel beraten.

Wie aufwändig ist die Umstellung auf digitale Dokumentation?

Weniger als die meisten erwarten. Mit einer modernen Praxissoftware sind Grundvorlagen und die erste digitale Akte in der Regel innerhalb von ein bis zwei Stunden eingerichtet. Am sinnvollsten ist ein gleitender Übergang: Neue Patienten werden sofort digital erfasst, bestehende Papierakten werden parallel weitergeführt, bis sie auslaufen.


Therapiedokumentation ist keine Lieblingsbeschäftigung. Aber sie ist eine, die sich lohnt. Wer einmal ein gutes System eingerichtet hat, Vorlagen nutzt, direkt nach der Sitzung dokumentiert und alles an einem Ort bündelt, merkt schnell: Es kostet weniger Zeit als befürchtet und gibt mehr Sicherheit, als man erwartet. Die ersten zwei Wochen sind die schwierigsten. Danach läuft es.

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Über die Autoren
Rouzbeh Noroozy – Chiropraktiker, Palmer West Absolvent, Mitgründer von Ruana
4,9 · 329 Bewertungen
Rouzbeh Noroozy Chiropraktiker & Mitgründer · Palmer West · UC Berkeley · 14 Jahre Erfahrung Rouzbeh Noroozy ist Chiropraktiker mit 14 Jahren klinischer Erfahrung und Mitgründer von Ruana. Er absolvierte seinen Bachelor an der University of California, Berkeley und schloss sein Chiropraktik-Studium am renommierten Palmer College of Chiropractic West ab. Als praktizierender Therapeut und Praxisinhaber weiß er, welche digitalen Werkzeuge wirklich helfen, Abläufe effizienter zu gestalten.
Anastasiia Noroozy – Medizinische Absolventin, Mitgründerin von Ruana
4,9 · 329 Bewertungen
Anastasiia Noroozy Medizinische Absolventin & Mitgründerin · 8 Jahre Erfahrung Anastasiia Noroozy ist Medizinabsolventin und Mitgründerin von Ruana mit 8 Jahren Erfahrung in der täglichen Patientenarbeit in der Kölner Praxis. Sie kennt jeden Ablauf der Praxis aus erster Hand – von der Patientenaufnahme über die Terminplanung bis zur Nachsorge. Ihre praktische klinische und organisatorische Erfahrung fließt direkt in die Entwicklung von Ruana ein.